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Kommunaler Kulturpreis 2007 der SGK Brandenburg

Der Preis wurde zum zehnten Mal verliehen. Es gab die sehr erfreuliche Zahl von 73 Bewerbungen. Der Preis wird in diesem Jahr für: „hervorragende kulturelle Initiativen, Projekte oder Aktivitäten und deren öffentliche Wirksamkeit in den Jahren 2005/2006 in Städten, Gemeinden und Landkreisen Brandenburgs“ verliehen.

Der Preis dient der Stärkung der Zivilgesellschaft und des bürgerschaftlichen Engagements in Brandenburg. Aus diesem Grund richtet sich der Kulturpreis vor allem an hauptsächlich ehrenamtlich getragene Aktivitäten. Wir bedauern es, dass nur vier Preise vergeben werden können, denn es steckt in allen Projekten sehr viel von diesem erfolgreichen ehrenamtlichen Engagement.

Die eingereichten Bewerbungen zeigen wieder sehr deutlich, kommunale Kultur ist lokal verankert und doch nicht beschränkt und provinziell, sie stärkt die Region und läst die Menschen zu einem selbstbewuss-ten Teil unserer Bundesrepublik werden.

Bei allen negativen Schlagzeilen, die zuweilen die Berichterstattung aus und über Brandenburg bestimmen, ist es immer wieder wichtig, die Projekte vorzustellen und bekannt zu machen, die sich erfolgreich engagieren. Aufgrund der Vielzahl und Verschiedenartigkeit preiswürdiger Projekte wird nicht nur ein Preis verliehen, sondern es gibt zwei Sonderpreise, einen zweiten Preis und den Kommunalen Kulturpreis.

Alle Bewerber werden wie bereits beim letzten Kulturpreis in einer eigenen Broschüre vorgestellt. So soll ganz ausdrücklich zur Nachahmung angeregt werden. Sie erhalten zudem eine Anerkennungsurkunde. Unser Dank geht an die Jury mit Petra Ketzer und Manfred Richter.

Ministerpräsident Matthias Platzeck ist auch in diesem Jahr wieder Schirmherr des Kulturpreises.  



Die Jury im Gespräch mit Bewerbern.
Es gab mehr als 70 Bewerbungen. Acht Projekte wurden persönlich besucht.




Förderverein KulturGutshaus Köpernitz e. V.
Träger des Kommunalen Kulturpreises der SGK Brandenburg 2007

„Köpernitz, auf dem die Gräfin La Roche-Aymon, geborne von Zeuner, ihr reichbewegtes Leben beschloß, ist ein Platz von einer nicht gerade frappanten, aber doch von einer poetischen und nachhaltig wirkenden Schönheit. Man begreift eine stille Passion dafür. Das Herrenhaus ist von großer Einfachheit: ein Erdgeschoß (neun Fenster Front) mit Dach und Erker." Wer so in Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg beschrieben wird, der hat ohne jeden Zweifel einen Wettbewerbsvorteil beim Kommunalen Kulturpreis der SGK. Sowohl die eingereichten Unterlagen als auch die Eindrücke der Jury bei der Bereisung vor Ort haben bei der SGK eine stille Passion für den Verein geweckt. Hier wird beste ehrenamtliche kommunale Kulturarbeit geleistet.

Aus dem nach 1945 für Wohnzwecke, einen Kindergarten, den Bürgermeister und teilweise kulturelle Zwecke genutzten Gutshaus, ist wieder ein besonderer Ort für Kultur und Geschichte geworden. Dies ist ein Verdienst des 1998 gegründeten Fördervereins KulturGutshaus Köpernitz e.V. Ziel des Vereins ist die denkmalgerechte Instandhaltung von Gutshaus und Park im Interesse einer kultur-verbundenen Nutzung sowie die Durchführung von Veranstaltungen, die dem kulturgeschichtlichen Hintergrund entsprechen. Daran wirken 30 Vereinsmitglieder und ca. 400 ständige Freunde und Gäste des Vereins mit.

Dabei gilt der Blick zurück durchaus der Erinnerung an die von Zeuners, Gräfin La Roche-Aymon und den Bruder Friedrich des Großen, Prinzen Heinrich, der lange Jahre in Rheinsberg lebte. Neben ihnen hat aber auch die Alltagskultur und ein Erinnern nicht nur an die adlige Geschichte Einzug gehalten. So gibt es die sehr begehrte Veranstaltungsreihe Ländliche „Gerichte und Geschichte(n)", die Information und Kulinarisches miteinander verbindet. Im März 2007 stand sie unter der Überschrift „Die steinreiche Mark..." Ein unterhaltsamer Abend rund um die Geschichte des Feldsteinbaus in Brandenburg. Diese Art von Veranstaltung wir dreimal jährlich angeboten. Es wird jeweils zu einem Abend mit orts- und regionalgeschichtlichen Inhalten eingeladen und ein dem Thema angemessenes Menü serviert.

In enger Kooperation mit der Gemeinde wurde das KulturGutshaus auch als Gemeindezentrum entwickelt und von der Bevölkerung angenommen. Ein weiterer Höhepunkt ist immer im Mai der „Tag der Gräfin" – ein Fest über die Geschichte des Hauses, seine ehemaligen Bewohner und alle, die darüber geforscht, geschrieben oder publiziert haben. Diese Veranstaltungen haben eine hohe Publikumswirksamkeit erreicht und sind oft ausgebucht. Damit verbunden ist die denkmalgerechte Instandsetzung und Erhaltung des Hauses. Allein in den Jahren 2005 und 2006 wurden 1750 Stunden gemeinnütziger Arbeit geleistet. Im Jahr 2006 wurde das neue Projekt „Aus der Region – für die Region" in Angriff genommen. Dabei werden an sonntäglichen Nachmittagen Talente auf verschiedenen künstlerischen Gebieten vorgestellt. Daneben finden regelmäßig künstlerische Ausstellungen, Kleinkunstabende u.v.a. statt. Jährlich profitieren ca. 1.500 bis 1.700 Gäste von diesen Angeboten.

Im Stechlin lässt Fontane Dubslav mit seinen Gästen über Köpernitz sprechen: „Hier unsre Stechliner Gegend ist nämlich Zeunergegend. Keine Stunde von hier liegt Köpernitz, eine reizende Besitzung, drauf die Zeunersche Familie schon in fridericianischen Tagen ansässig war. Bin oft drüben gewesen (nun freilich schon zwanzig Jahre zurück) und komme noch einmal mit der Frage. Haben Sie den Obersten noch gekannt?" Den Obersten haben wir nicht gekannt. Kennengelernt haben wir aber das KulturGutshaus mit seinem Förderverein. Es handelt sich ganz eindeutig um einen reizenden Ort. Die SGK Brandenburg freut sich, den Förderverein KulturGutshaus Köpernitz mit dem Kommunalen Kulturpreis 2007 auszeichnen zu können.



www.kulturgutshaus.de


Ein zweiter Preis wurde an den Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e.V. verliehen.

Mit dem Heimatverein „Alter Krug“ Zossen ehrt die SGK einen „klassischen“ Heimatverein. Die Stärke lokaler kultureller Angebote liegt immer wieder in der intensiven Beschäftigung mit der heimatlichen Umgebung und ihrer Geschichte. Das wissen wir in Brandenburg spätestens seit Fontane.  Mit dem Alten Krug hat der Heimatverein eine dauerhafte Aufgabe und eine Heimstätte zugleich. Der Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e.V. wurde im Jahr 1992 gegründet. Ursprüngliche Zielstellung war der Erhalt bzw. die Wiederherstellung des „Alten Kruges“, der sich damals in einem beklagenswerten Zustand befand. Die Jury konnte sich vor Ort davon überzeugen, dass es nicht nur gelungen ist, das Gebäude wieder herzurichten, sondern es zu einem Museum und einem Ort für wechselnde Ausstellungen und Kulturveranstaltungen werden zu lassen. 

Heute hat der Verein viele weitere Aufgaben für die Aufarbeitung der Geschichte der Stadt übernommen: u.a. das Schulmuseum. Es werden geschichtliche Vorträge für alle Altersklassen angeboten. Einmal im Jahr wird ein historischer Kalender herausgebracht. Er hat eine Auflage von 250 Stück, wird in Handarbeit hergestellt und ist schon ein Sammlerobjekt. Vereinsmitglieder sind zudem an der Erstellung und Herausgabe von Schriften zur Geschichte Zossens beteiligt.

Alle Aktivitäten betreibt der Verein mit seinen über 70 Mitgliedern und Freunden ehrenamtlich und ohne Zuschüsse. Die Räumlichkeiten des Schulmuseums und des „Alten Kruges“ sind von der Stadt zur Nutzung übergeben worden. Das Schulmuseum wird regelmäßig von den Grundschulen des Ortes und der Region besucht. Auch viele Senioren erfreuen sich an den Ausstellungsstücken aus der Vergangenheit.

Zu den Veranstaltungen im „Alten Krug“ kann der Verein jeweils um die 40 Besucher begrüßen. Für die Zukunft ist die Herausgabe eines historischen Bildbandes (Zossen früher und heute in den Grenzen der Stadt nach der Gemeindegebietsreform mit allen Ortsteilen) geplant.

Zukunft braucht Herkunft. Der Heimatverein Zossen leistet einen aktiven Beitrag zur lokalen Kultur. Die SGK Brandenburg freut sich, dem Heimatverein „Alter Krug“ Zossen den zweiten Preis im Rahmen des Kommunalen Kulturpreises Brandenburg verleihen zu können. 

 Der Alte Krug in Zossen.



Träger eines Sonderpreises: Kinderliteraturwettbewerb Rathenow/Havelland
 

Lag die Verantwortung für die Durchführung in den ersten Jahren bei der „Havelländer Autorengruppe“, so ist sie inzwischen auf den Kulturbund Brandenburg übergegangen. Insbesondere zu würdigen ist der Einsatz von Frau Rita König, sie ist die zentrale Person bei der Durchführung des Kinderliteraturwettbewerbs. Ziel des Wettbewerbs ist es, Kinder zu kreativem Schreiben zu ermutigen, sie auf eine angenehme Art und Weise zur Auseinandersetzung mit der Deutschen Sprache anzuregen.

Der Startschuss für den Wettbewerb fiel im Jahr 2002 in der Stadt Rathenow. Aufgrund des Interesses  anderer Schulen wurde er 2003 auf den gesamten Landkreis Havelland ausgedehnt. Die Wettbewerbe in den Jahren 2002/2003 sowie 2004/2005 standen unter den Überschriften: „Märchen und Phantasiegeschichten“ und „Tiere und Bäume“. Im Jahr 2006 bot die Landesgartenschau in Rathenow den Aufhänger für das Motto: „Havi, Opti und Flori – was die drei Biber im Havelland erleben“. 33 Schulen im Landkreis waren mit ihren fünften Klassen aufgerufen, Geschichten und Gedichte zum Thema zu verfassen. Eine Jury, neben Frau König bestehend aus Vertretern der Stadtverwaltung Rathenow, der Stadtbibliothek, der Märkischen Allgemeinen Zeitung und des Kinder- und Jugendparlaments, las und bewertete die Texte anhand eines Kriterienkatalogs. Die schönsten Geschichten und Gedichte wurden mit Illustrationen von Schülern der Förderschule in einer Broschüre veröffentlicht. 

Höhepunkt des Kinderliteraturwettbewerbs war, wie in jedem Jahr, das Kinderliteraturfest am 1. Juni 2006, auf dem die besten Beiträge ausgezeichnet wurden. In diesem Jahr konnten die Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen ihre Beiträge zum Thema „Zeitreise rückwärts“ einreichen. Der Kinderliteraturwettbewerb gründet sich auf ehrenamtliches und kommunales Engagement und ist eine feste Größe im regionalen Kulturkalender.

Die SGK Brandenburg verlieh einen Sonderpreis der Jury, weil der Kinderliteraturwettbewerb wirkungsvoll einen konkreten und praktischen Beitrag zur Erziehung und kulturellen Bildung unserer Kinder leistet.
 

Frau Rita König (zwischen Wolfgang Thierse und Manfred Richter, links im Bild das Jury-Mitglied Petra Ketzer) nimmt den Sonderpreis für den
Kinderliteraturwettbewerb entgegen.

Mit dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und Vorsitzenden des Kulturforums der SPD, Wolfgang Thierse, konnte wieder ein ebenso prominenter wie sachkundiger Laudator gewonnen werden.



Träger eines Sonderpreises: Theater Frankfurt: Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Das Theater Frankfurt in Trägerschaft des Theater im Schuppen e.V. wird von einer freien Theatergruppe bewirtschaftet und leistet seit 15 Jahren einen wertvollen Beitrag zum Kultur- und Bildungsangebot der Stadt und des Umlandes. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, denen die Chance geboten wird, Theater nicht nur passiv als Konsument, sondern aktiv als Schauspieler zu erleben. Dabei werden anspruchsvolle Stücke aufgegriffen. Die Themen sind gegenwartsbezogen und streitbar.

Ein Ziel ist es, die Kinder einerseits zur Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt zu bewegen und andererseits zu Neugier und Lernbereitschaft anzuregen. Kinder und Jugendliche sollen eigene Stärken erkennen und ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Heranwachsende lernen, wie Konflikte im täglichen Miteinander bewältigt werden können.

Die Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen, die sich mit Sprech- und Musiktheater, mit Bewegungs- und Aktionstheater beschäftigen, begann 1996. Zum Jugendtheater „Junge Bühne" gehören derzeit 20 Schülerinnen und Schüler. Wöchentlich findet ein „offenes Training" statt, bei dem sich regelmäßig Schüler, Studenten, Auszubildende und Berufstätige treffen, um gemeinsam konditionell, koordinativ, stimmlich und theatralisch zu trainieren. Werkstätten und Lehrgänge bieten ein zielorientiertes Freizeitangebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Theater richtet u.a. die jährlichen Theatertage für Kinder und Jugendliche aus und arbeitet eng mit Theatergruppen aus anderen Ländern zusammen (.z.B. Polen, Frankreich, Italien).

Die jungen Schauspieler sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt, sie traten schon in zahlreichen deutschen und europäischen Städten auf. Inzwischen gehört zum Theater Frankfurt auch eine stattlich anerkannte Schauspielschule, die seit Oktober 2006 die ersten Studenten ausbildet. In größtenteils ehrenamtlicher Arbeit bietet der Verein kreatives Theater in einer eigenen Spielstätte bei Verzicht auf öffentliche institutionelle Förderung. Die Jury war vor allem von der Intensität der Arbeit mit den Jugendlichen und von der Art und Weise beeindruckt, wie sie „ernst genommen" werden. Im Theater Frankfurt wird unter nicht immer einfachen Bedingungen mit viel ehrenamtlichem Engagement Kultur geboten.

Die SGK Brandenburg hat, insbesondere für die vorbildliche Kinder – und Jugendarbeit, dem Theater einen Sonderpreis der Jury verliehen.



Im Probenraum des Theater Frankfurt: praktische Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen
www.theater-im-schuppen.de

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